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  • Julius Geiling

Blockchain in der Logistik, ein Überblick

Anwendungsfälle für die Blockchain etablieren sich mehr und mehr am Markt. Besonders im Fintech-Sektor gab es im Jahr 2017 einen regelrechten Run auf Blockchain. Digitale Währungen wie Bitcoin und Ethereum sind jedem ein Begriff, der sich ein wenig mit der Blockchain auseinandergesetzt hat. Die zugrunde liegende Technologie ist jedoch viel mehr, als nur ein Rückgrat für die Währungen der Zukunft. Ein Beispiel:

Analysen von pwc zufolge ist die Logistik eine der am wenigsten digitalisierten Branchen. Hauptgrund hierfür ist die Komplexität des globalen Transports von Gütern. Beispielhaft dafür stehen das lokale Handelsrecht, das internationale Handelsrecht, Transportbestimmungen und Zölle, um nur einige Aspekte von Handel und Transport einer Ware zu nennen.

Keine der aktuell verwendeten Technologienist zur Zeit fähig, dieser Komplexität gerecht zu werden. Mittels der Blockchain erarbeiten jedoch immer mehr Unternehmen der Logistikbranche Ansätze, um Technologien für kosten- und zeiteffizientere Prozesse als bisher zu etablieren und um Geschäftsschädigungen durch Betrug und Manipulation gezielt entgegenzuwirken.

Nachfolgend sollen die einzelnen Anwendungsfelder für Blockchain in der Logistik kurz dargelegt werden. Eine Liste von Firmen, die in diesem Resort tätig sind, rundet die jeweilige Thematik ab.


Transparenz entlang der Supply Chain

Eine wichtige Aufgabe der globalen Logistik ist die Nachverfolgung des Weges einer Ware von der Erzeugung bis hin zur Auslieferung an den Endkunden. Dies ist die Supply Chain. Ist durch Blockchain-Technologie eine nahtlose Nachverfolgung gewährleistet, können beispielsweise Produktionsfehler und deren Entstehungsort sowie das Ausmaß des Fehlers einfach und eindeutig erkannt werden. Weiter noch sind alle Stakeholder der Supply Chain, inklusive des Endkunden, vor Betrug geschützt.


Bumble Bee Foods

  • Chain: Multichain

  • Ziel: Komplette Überwachung der Thunfischverarbeitung von Fang bis Auslieferung an den Einzelhandel

  • Partner: SAP SE

ShipChain

  • Chain: Ethereum

  • Ziel: Nahtloses Frachttracking von der Fabrik bis zum Endkunden mit registrierten Paletten und automatischem Monitoring von Ankunftsdaten, Lieferbestätigungen und Zustand der Ware. Automatisierte Bezahlung nach Prüfung der Ware

Cargill

  • Chain:Hyperledger Sawtooth / Hyperledger Grid

  • Ziel: Nachverfolgung des Handels mit Truthähnen von der Farm bis in den Einzelhandel

Walmart

  • Chain: Hyperledger Fabric

  • Ziel: Initiator des IBM Food Trust. Tracking von 25 Produkten wie Erdbeeren, Joghurt, und Hühnchen von fünf Lieferanten.

Golden State Foods

  • Chain: IBM Blockchain

  • Ziel: Bestandteil des IBM Food Trust. Tracking von Lebensmitteln. Beispiel: Überwachung der Temperatur von Rindfleisch für eigene Burger-Ketten

  • Partner: IBM

Nestle

  • Chain: IBM Blockchain

  • Ziel: Bestandteil des IBM Food Trust. Tracking der Herkunft von Lebensmitteln, die in Gerber Babynahrung verarbeitet werden.


Kollaboration ohne gegenseitiges Vertrauen

Im internationalen Handel werden Waren in der Regel über mehrere Logistikpartner transportiert. Diese sind in verschiedenen Ländern angesiedelt und haben mitunter verschieden Datenschutzstandards. Ein Vertrauen entlang der Lieferkette ist also nicht zu 100% gewährleistet. Durch Blockchain-Technologie können dennoch Daten zwischen den Stakeholdern ausgetauscht werden, ohne dass sich die Stakeholder gegenseitig vertrauen. Das Vertrauen stammt ausschließlich aus dem Netzwerk. Die Effizienz der Supply Chain kann so gesteigert werden, ohne dass Datenmissbrauch oder Manipulation befürchtet werden muss.


VeChain

  • Chain: VeChainThor

  • Ziel: Nutzung eines P2P-Netzwerkes basierend auf Proof of Authority zur sicheren und effizienten Übermittlung von Daten zwischen Lieferanten, Verkäufern und Endkunden.

Waltonchain

  • Chain: Waltonchain

  • Ziel: Bereitstellung von RFID Tags, die Daten über den Zustand der jeweils zu verschickender Ware an die bereitgestellte Chain weiterleiten und mit allen an der Supply Chain beteiligten Parteien teilen, ohne dass sich diese gegenseitig vertrauen müssen.

Ambrosus

  • Chain: AMB-NET

  • Ziel: Kombination aus Sensorik, RFID Tags und QR Codes wird genutzt, um Bewegung, Temperatur und Manipulationsfreiheit zu überwachen. Die ermittelten Daten werden in die Chain geladen, um diese vor Manipulationen zu schützen und sie für alle Partner des Netzwerkes mit minimalem Vertrauen zur Verfügung stellen zu können.

OriginTrail

  • Chain:eigenes dezentrales P2P-Netzwerk

  • Ziel: Aushandeln von Diensten. Übertragen, Verarbeiten und Abrufen von Daten. Überprüfen von Integrität und Verfügbarkeit der Daten.

Authentizitätsprüfung

Manipulation von Gütern und Betrug stellen ein globales Problem für die Supply Chain dar, welches nach aktuellem Stand der Technik durch Sicherheitszertifikate gelöst wird. Diese sind jedoch aufwändig, teuer und setzten das Vertrauen in die Firma, welche das Zertifikat vergibt, voraus. Durch Blockchain-Technologie kann eine deutlich sichere, da dezentrale Versicherung für die Authentizität von Gütern gewährleistet werden. Nahtlose Verfolgung von Gütern in der Blockchain, von der Entstehung bis zur Auslieferung, bekämpft Fälschungen durch Hinterlegung jeder Manipulation gezielt. Der Endkunde erhält so größere Sicherheit, dass es sich bei den erworbenen Produkten um Originalware handelt.


Ant Financial

  • Chain:Ant Blockhain

  • Ziel: Kunden können Sendungen verfolgen, die auf einem speziellen Marktplatz, betrieben durch Alibaba, gekauft wurden.

  • In einem anderen Anwendungsfall können Kunden die Herkunft und alle Schliffdaten eines gekauften Diamanten nachvollziehen.

Teal

  • Chain:Ethereum

  • Ziel: Authentizität von Konsumartikeln gewährleisten durch registrierte Label, die auf jedes einzelne Gut geklebt werden.

Seagate

  • Chain: Hyperledger Fabric

  • Ziel: Tracking der eigens hergestellten Festplatten von Produktion über Lebenszeit bis hin zum Recycling, um die Rücksendung von Fälschungen effektiv zu bekämpfen. Hintergrund ist die Qualitätskontrolle hin zum Kunden, sodass dieser die Gewissheit hat, eine Festplatte zu erhalten, die zu 100% aus Originalkomponenten besteht.


Digitaler Zwilling

Der Ansatz des digitalen Zwillings ist besonders dann interessant, wenn komplexe Produkte nachverfolgt werden sollen. Hierbei wird eine digitale Kopie des komplexen Gutes und aller seiner Einzelteile in die Blockchain geschrieben. Der Produzent erhält so einen Einblick in den Produktlebenszyklus, welcher bisher unerreicht ist. Serienfehler können effektiver erkannt werden und Prognosen über die Haltbarkeit einzelner Bauteile genauer berechnet werden. Wird beispielsweise ein Auto gebraucht verkauft, nützt die Information, dass es beim Neukauf intakt war, wenig. Werden jedoch alle Einzelteile in der Blockchain dokumentiert und jegliche Änderung an diesen in der Blockchain gespeichert, erübrigen sich Dokumente wie das Werkstatt-Scheckheft.


Renault gruppe

  • Chain: Microsoft VISEO

  • Ziel: In der Blockchain werden alle Bauteile eines Fahrzeuges mit einem digitalen Zwilling hinterlegt. Werden Änderungen an den Teilen durchgeführt, werden diese auch auf dem digitalen Zwilling übernommen. So ist eine nahtlose Nachverfolgung der Fertigung und Haltung des Fahrzeuges möglich. Eine erhöhte Transparenz und eine gesicherte Authentizität werden ermöglicht.


Digitalisierung von Warenflüssen

Besonders bei internationalen Sendungen ist der bürokratische Aufwand aktuell erheblich. Viele Dokumentationen finden noch auf Papier statt und sind so nicht manipulationssicher. Weiter noch ist die Nachverfolgung von Sendungen zumeist Aufgabe des jeweiligen Versenders, der sich eine eigene Lösung überlegen muss. Hierbei wird Vertrauen in den Versender vorausgesetzt. Sollen Daten zwischen den unterschiedlichen Logistik-Partnern ausgetauscht werden, entsteht zudem zusätzlicher bürokratischer Aufwand. Eine vereinheitlichte, sichere, effektive und vor allem vertrauenswürdige Lösung ist nur durch den Einsatz einer Blockchain zu realisieren.


Libelli

  • Chain:unbekannt

  • Ziel: Übernahme der Rolle des Treuhänders zwischen Verkäufer und Käufer durch den Einsatz von Smart Contracts, um Banken als versichernde Institutionen in diesem Szenario überflüssig zu machen. Weiterer Vorteil ist die Eliminierung von papierbasierten Dokumentationen, die bis dato für den Akkreditiv erforderlich sind.

Bank of America Merrill Lynch / Infocomm Development Authority of Singapore

  • Chain:Hyperledger

  • Ziel: Ähnlich wie bei Libelli werden auch hier die Informationen für den Akkreditiv in einer Blockchain gehandhabt. Aufwändiges Handling mit Papierdokumenten und eine unzuverlässige Transparenz des Warenflusses entfallen somit.

ZIM

  • Chain:eB/L-Plattform

  • Ziel: Übertragung des papierintensiven Prozesses der Übertragung einer Bill of Lading von Sender zu Empfänger in die Blockchain. Ein Prozess, der Wochen dauern kann, ist so in zwei Stunden realisierbar.

Maersk

  • Chain:IBM Blockchain / Corda

  • Ziel: Erarbeitung einer ganzheitlichen Blockchainlösung zur vollen Überwachung und Steuerung der Supply Chain, inklusive Smart Contracts, Digitalisierung des Akkreditiv und Versorgung aller Stakeholder mit Daten über die zu verschiffende Ware.

  • Partner: IBM


Resumé

Die schiere Menge an Projekten im Bereich Blockchain und Logistik ist überwältigend; von Projekten für nahtlose Rückverfolgung von Lebensmitteln und der Erzeugung der jeweiligen Zutaten bis hin zur Mammutaufgabe, die Bill of Lading in der Schifffahrt zu digitalisieren.

Besonders interessant sind hierbei die Vorteile, die mit dem Einsatz der neuen Technologie einhergehen. Unternehmen können ohne gegenseitiges Vertrauen kooperieren und dies mit der Sicherheit, dass die zu transportierenden Güter authentisch sind. Supply Chain Stakeholder bekommen einen besseren Einblick in die globalen Warenströme und können entsprechend besser und vor allem schneller reagieren. Produzenten von Gütern, die besonders für ihre hohe Qualität bekannt sind, können Produkte global in dem Wissen vertreiben, dass beim Endkunden exakt ihre Güter und keine Fälschungen ankommen. Weiter noch ist es möglich, den Lebenszyklus einzelner komplexer Produkte detailliert nachzuvollziehen und frühzeitig auf etwaige Produktionsfehler oder verfrühte Abnutzungserscheinungen zu reagieren.

Die vorgestellten Anwendungsbeispiele werden aktuell stark erforscht und zeigen erste, vielversprechende Ergebnisse auf, jedoch ist festzuhalten, dass sich viele Lösungen in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. So ist zu schließen, dass die Industrie den Mehrwert der Blockchain besonders im Logistikmarkt eindeutig erkannt hat, für eine weltweite Etablierung jedoch noch Einiges an Entwicklungszeit benötigen wird. Es ist positiv zu bewerten, dass die Blockchain-Technologie sich zunehmend aus der Sparte des Fintech löst und zunehmend als eine Basistechnologie für die Effizienzsteigerung vieler Industriezweige verstanden wird.


Quellen

https://www.pwc.com/gx/en/transportation-logistics/pdf/the-future-of-the-logistics-industry.pdf

https://www.forbes.com/sites/michaeldelcastillo/2019/04/16/blockchain-50-billion-dollar-babies/#2af0455e57cc

https://www.logistics.dhl/content/dam/dhl/global/core/documents/pdf/glo-core-blockchain-trend-report.pdf

https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/krypto-kolumne/coin-und-co-die-krypto-kolumne-wieso-die-logistik-ein-geeignetes-einsatzgebiet-der-blockchain-ist/22898364.html?ticket=ST-2739593-9K23dvqlHH2LzBQIMbHC-ap4



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